Wenn über Identity Security gesprochen wird, denken die meisten zuerst an Benutzerkonten, Passwörter und Multi-Factor Authentication. Doch in modernen IT-Umgebungen existiert eine weit grössere und oft unbeaufsichtigte Identitätslandschaft: Non Human Identities.
Service Accounts, API-Keys, Automatisierungsprozesse, Cloud-Workloads oder Machine-to-Machine-Verbindungen sind heute unverzichtbar für den Betrieb digitaler Systeme. Gleichzeitig stellen sie eine der am wenigsten kontrollierten Angriffsflächen dar – mit potenziell gravierenden Auswirkungen auf Sicherheit, Compliance und Betrieb.
In klassischen IT-Architekturen waren Identitäten überschaubar und meist an Menschen gebunden. Mit Cloud-Services, DevOps-Pipelines und automatisierten Geschäftsprozessen hat sich dieses Bild grundlegend verändert.
Non Human Identities entstehen dynamisch, agieren permanent und verfügen häufig über weitreichende Berechtigungen. Anders als menschliche Benutzer:
benötigen sie keine interaktive Anmeldung
unterliegen meist keiner Multi-Factor Authentication
werden selten regelmäßig überprüft oder rotiert
sind oft nicht vollständig inventarisiert
Das Ergebnis: fehlende Transparenz. Viele Unternehmen wissen nicht, wie viele Non Human Identities in ihrer Umgebung existieren, wofür sie genutzt werden oder welche Risiken von ihnen ausgehen.
Gerade diese Unsichtbarkeit macht Non Human Identities so attraktiv für Angreifer. Wird ein Service Account oder ein API-Key kompromittiert, kann der Zugriff dauerhaft und unbemerkt erfolgen – oft mit hohen Berechtigungen und ohne typische Warnsignale.
Statt klassische Benutzerkonten anzugreifen, nutzen Angreifer Non Human Identities, um:
Sicherheitskontrollen zu umgehen
sich lateral im Netzwerk zu bewegen
Persistenz aufzubauen
automatisierte Prozesse zu missbrauchen
Ohne kontextbasierte Überwachung bleiben solche Aktivitäten häufig lange unentdeckt.
Traditionelle IAM- und PAM-Systeme wurden primär für menschliche Benutzer entwickelt. Sie setzen auf Authentifizierung, Rollenmodelle und Login-Kontrollen – Konzepte, die sich auf Non Human Identities nur eingeschränkt anwenden lassen.
Was fehlt, ist ein Ansatz, der:
maschinelle Identitäten automatisch erkennt
deren Nutzungskontext versteht
normales von riskantem Verhalten unterscheiden kann
Sicherheitsrichtlinien zur Laufzeit durchsetzt
Genau hier entsteht eine Lücke im Identity-Security-Stack.
Moderne Sicherheitskonzepte erweitern Identity Security konsequent auf alle Identitäten, unabhängig davon, ob sie von Menschen oder Maschinen genutzt werden.
Der Fokus liegt dabei auf:
vollständiger Sichtbarkeit aller Non Human Identities
kontinuierlicher Analyse von Zugriffs- und Nutzungsmustern
risikobasierter Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien
Schutz ohne Unterbrechung bestehender Automatisierung
Anstatt Credentials pauschal zu ersetzen oder Prozesse zu verändern, wird der tatsächliche Zugriff bewertet und kontrolliert – kontextabhängig, adaptiv und in Echtzeit.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei die Betriebsverträglichkeit. Non Human Identities sind tief in Geschäftsprozesse integriert. Sicherheitsmaßnahmen dürfen diese Abläufe nicht unterbrechen oder destabilisieren.
Ein moderner Schutzansatz setzt daher auf:
Inline-Kontrollen statt nachträglicher Analysen
adaptive Policies statt statischer Regeln
Schutzmechanismen, die Automatisierung respektieren
So lassen sich Risiken reduzieren, ohne Innovation oder Effizienz auszubremsen.
Non Human Identities sind längst kein Randthema mehr. Sie bilden das Rückgrat moderner IT- und Cloud-Architekturen – und gleichzeitig eine der größten ungeschützten Angriffsflächen.
Wer Identity Security ganzheitlich denkt, muss diese Identitäten sichtbar machen, verstehen und kontrollieren. Nicht als einmaliges Projekt, sondern als kontinuierlichen Sicherheitsprozess.
Denn in einer Welt, in der Maschinen ständig miteinander kommunizieren, entscheidet nicht mehr nur wer Zugriff hat – sondern wie, wann und in welchem Kontext dieser Zugriff erfolgt.
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